Burokratie

Immer mehr Unternehmen in Deutschland leiden unter übermäßiger Bürokratie. Viele Branchen sehen sich bereits gezwungen, ins Ausland zu gehen. Dies hat erhebliche Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland, wirksame Lösungen fehlen bislang jedoch. Deshalb strukturieren sich viele Unternehmen um oder verlagern ihren Standort in die Nachbarländer, USA oder China.

Um zu verhindern, dass Unternehmer diesen drastischen Schritt wagen, muss Deutschland laut Ökonomen agiler werden. Im Mittelpunkt steht dabei der Abbau der übermäßigen Bürokratie, unter der Unternehmen leiden. Es dauert beispielsweise sehr lange, bis man die Genehmigung für den Abriss eines alten Büros erhält.

Aufgrund dieser langwierigen Planungsprozesse und anderer Themen wie hoher Energiepreise sieht mehr als ein Drittel der zuletzt rund 1.000 befragten Unternehmen eine kurzfristige Umstrukturierung als notwendig an. Beispiele hierfür sind betriebsbedingte Kündigungen, der Verkauf von Geschäftseinheiten oder ein Standortwechsel. Drei von zehn mittelständischen Unternehmen halten eine Neuausrichtung der Produktion oder der Geschäftsaktivitäten für notwendig. Das ist fast doppelt so viel wie vor einem Jahr, auf dem Höhepunkt der Energiekrise. Mittelständische Unternehmen in energieintensiven Branchen wie der chemischen Industrie und der Lebensmittelindustrie denken derzeit über Umstrukturierungen nach. Mehr als ein Drittel der Unternehmen wollen Investitionen ins Ausland verlagern, 40 Prozent wollen auch die Beschäftigung in Deutschland abbauen.

Kranke Mann Europas

Vier von fünf befragten Unternehmen (81 Prozent) glauben, dass Deutschland durch die Krisen der letzten Jahre an Wettbewerbsfähigkeit verloren hat. 46 Prozent glauben sogar, dass Deutschland derzeit der „kranke Mann Europas“ ist.

Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) stellt fest, dass übermäßige Bürokratie viel Kapazität beansprucht, hohe Kosten verursacht sowie zeitaufwändig und kompliziert ist.

Darauf versucht die Politik mit Gesetzen wie dem Wachstumschancengesetz von Finanzminister Christian Lindners (FDP) zu reagieren. Dieses Gesetz soll Wachstum, Investitionen und Innovation ankurbeln. Doch die Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit und das Bruttoinlandsprodukt dürften gering sein, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kürzlich berichtete. Durch das Gesetz werden bis zu 9.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen und die Investitionen in Sachanlagen werden um rund 0,6 Prozent höher ausfallen.

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