Glyfosaat

Die Europäische Union hat eine Entscheidung zum umstrittenen Herbizid Glyphosat verschoben. Vertreter aus EU-Ländern stimmten über einen Vorschlag zur Verlängerung des Glyphosat-Einsatzes um zehn Jahre ab, es gab jedoch keine erforderliche Mehrheit. Die Erlaubnis zur Verwendung des Arzneimittels läuft am 15. Dezember aus.

Eine weitere Abstimmung wird voraussichtlich Mitte November stattfinden. Sollte es erneut keine große Mehrheit für oder gegen den Vorschlag geben, kann die Europäische Kommission selbst beschließen, die Ermächtigung um zehn Jahre zu verlängern. Im Jahr 2017 wurde der Einsatz von Glyphosat nicht um die üblichen 10 Jahre, sondern lediglich um 5 Jahre verlängert.

Unkrautvernichter

Glyphosat ist eines der am häufigsten verwendeten Herbizide. Nach Ansicht einiger Forscher erhöht das Medikament das Krebsrisiko. Es wird auch mit der Parkinson-Krankheit in Verbindung gebracht.

Einzelne Mitgliedsstaaten können das Medikament verbieten. In Deutschland gibt es Beschränkungen für den Einsatz des Unkrautvernichters; Beispielsweise müssen Landwirte alle zwei Jahre eine Prüfung absolvieren und Glyphosat darf nur unter bestimmten Umständen eingesetzt werden (beispielsweise in erosionsgefährdeten Gebieten oder auf Feldern mit besonders hartnäckigen Unkräutern wie der Distel). In Wasserschutzgebieten ist das Mittel grundsätzlich verboten.

In den Niederlanden dürfen Privatpersonen kein Unkrautvernichtungsmittel mehr verwenden.

Ist Glyphosat krebserregend?

Amerikanische und europäische Behörden sagen, dass Glyphosat nicht krebserregend sei, doch unter anderem die Weltgesundheitsorganisation bezweifelt dies. In den USA musste der Hersteller von Roundup (das Glyphosat enthält), der deutsche Chemieriese Bayer, zweimal in Einzelfällen Schadensersatz zahlen und erzielte in Zehntausenden US-Klagen von Personen, die behaupten, das Unkrautvernichtungsmittel habe ihnen verabreicht, einen Vergleich in Milliardenhöhe Krebs.

Glyphosat tötet nicht nur alles Grüne ab, sondern beeinträchtigt auch die Orientierung von Insekten wie Wildbienen, Honigbienen und Florfliegen, was zu deren Absterben führt.

Bei Mäusen und Ratten wurden erhöhte Tumorraten festgestellt, was die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu veranlasste, Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ einzustufen. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat 2.400 wissenschaftliche Studien zu Glyphosat ausgewertet und keine „kritischen Problembereiche“ für Mensch oder Umwelt gesehen.

Die einzige Lösung?

Aber ist Glyphosat wirklich die einzige Lösung? Im ökologischen Landbau werden beispielsweise Deckmischungen eingesetzt, die im Winter gefrieren und daher vor der Aussaat keine Bodenbearbeitung erfordern. Dabei werden andere Fruchtfolgen als in der konventionellen Landwirtschaft angewendet und Kulturen werden unter die Saat gesät, zum Beispiel Klee unter Getreide, sodass auch der Boden bedeckt bleibt. Es ist etwas aufwändiger und erfordert eine andere Arbeitsweise, aber es zeigt, dass die Dinge auch anders gemacht werden können.

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